07/10 2010:
Schwiegershäuser Dorfbühne nahm die Moral gekonnt auf die Schippe

 



Jessica Kamps, Melanie Wode, Manfred Wode, Dieter Wode (v. l.)
 

 


Frank Kruppa, Melanie Wode (v. l.)
 

 

(pb). Schon Herbert George Wells, schrieb vor 100 Jahren, dass die moralische Entrüstung die Eifersucht mit einem Heiligenschein sei.

 

Ute Tretter-Schlicker gab ihrem Schwank in drei Akten den Titel „Moral ist, wenn man es trotzdem macht“, und die Schwiegershäuser Dorfbühne wusste genau, sie ins richtige Bühnenlicht zu rücken. Sie wird es übrigens in elf weiteren Aufführungen wieder tun. Für folgende Termine sind noch Karten im Gasthaus OhneSorge erhältlich: 8., 9. und  10. Oktober, 15., 16. und 17. Oktober,  22., 23. und 31. Oktober.

 

Acht Akteure verstanden es nicht „nur“ während der Premiere unter der Spielleitung von Anita Bierwirth drei überaus aktive Stunden lang den Alltag und seine Überraschungen sehr überzeugend auf die Bretter zu bringen, welche auch in Schwiegershausen die Welt bedeuten. Dabei vergaßen sie auch nicht mittels würziger Wortspielereien die eine und andere Schwiegershäuser Spitze mit einzuflechten. Ein Szenen-Highlight jagte das nächste, und die Moral von der Geschicht‘ war dann  halt doch, dass der Schuster lieber bei seinen Leisten bleiben sollte.

 

Die Schwiegershäuser Hobby-Schauspieler schlüpften so überzeugend in die Rollen und Szenen, sodass sich wohl der eine oder andere ein ganz klein wenig wieder erkannte. Besonders schlüpfrig war der Dialog der beiden Ehemänner (Dieter Wode und Manfred Wode), die einander davon überzeugen wollten, wie grässlich sie die fast nackten Frauen im neuen Night-Club fanden, der in der alten Schule eröffnet wurde. Ihre Mimik und geile Gestik überzeugte die Zuschauer aber vollends vom Gegenteil.

 

Claudia Schmidt und Carola von Einem-Güthers verstanden es mindestens ebenso brillant, die beiden Ehefrauen ins wahre Licht zu rücken,  die ihren Männern zwar Zucht und Ordnung predigten, aber die Moral ebenfalls durch eine andere Brille sehen. Jessica Kamps wiederum gab Sabine, der Tochter von Erwin und Helga, auf bestechende Art und Weise ein Gesicht der jungen Frau, die stets versuchte, die Wogen zu glätten.

 

Frank Kruppa wiederum überzeugte als Macho Benno, für den „Einbildung ist auch `ne Bildung“ war. Schließlich glaubte er ja, mit der Hochzeit einer Kneipjestochter oder mit Erpressung den großen Reibach zu machen. Dass es durchaus anders kommen könnte, wie man denkt, soweit reichte sein IQ nicht. Das Masken-I-Tüpfelchen waren die schwarze Mittelhaarperücke, der angemalte Bart und das aufgeklebte „Brustmatte“.

 

Melanie Wode, die übrigens für ihre Rolle als Magd Erna sächselte, was der Dialekt hergab,  und Sven Wassmann als Knecht Karl waren zwei weitere Glanzlichter. Sie erinnerten übrigens „so nebenbei“ an die Wiedervereinigung vor 20 Jahren und zeigten ins fast bombastischer Art und Weise die Schwächen auf, die durchaus auch in jedem stecken könnten.

 

Der Szenen- und der Schlussapplaus zeigten auf, dass die Schwiegershäuser Dorfbühne auch diesmal wieder voll ins Schwarze getroffen hatte, wobei selbstredend plattdeutsche Szenen eine nicht ganz unwichtige Rolle spielten. Dazu beigetragen haben unter anderem aber auch die Souffleuse Karin Froböse sowie Ilse Bringmann, Mario Weber, Rainer Kaisner, Marina Spillner, Irene Ehrhardt, Heinz Ehrhardt und Reiner Wode, die für das Bühnenbild, die Technik, die Bühnenleitung, die Kostüme und die Maske verantwortlich zeichneten.

 

Fotos: Petra Bordfeld